Inszenierung: Peter Beat Wyrsch

Musikalische Leitung: Franz Killer

Mit Gertrud Demmler-Schwab, Robert Eller und Frank Strobelt;
Gert Kaiser, Sandra Engel, Stefan Frank, Heymo Hirschmann, Axel Dinkelmeyer

Premiere: Do. 22.2.2007, 20.00 Uhr,
Apollo - Kino, Vordere Sterngasse 25

weitere Vorstellungen:
Fr. 23.2.2007, Fr. 2.3.2007, Sa. 3.3.2007
jeweils 20.00 Uhr


Kartenvorbestellung:
Bei allen Kartenvorverkaufsstellen oder direkt bei Pocket Opera Company
Tel. 0911- 32 90 47, Fax 32 90 51 oder unter info@pocket-opera.de


Kartenpreise:
18,00 €, ermäßigt 15,00 €


Zwischen Sehnsucht und Mitternacht

Apollo NürnbergMusiktheater im Apollo


Der blinde philosophierende Straßenmusiker Moondog, lange Zeit die Kultfigur New Yorks, trifft auf eine weitere, jedoch fiktive New Yorker Kultgestalt: Fan Man von William Kotzwinkle. In der Produktion "Zwischen Sehnsucht und Mitternacht" erlebt man zwei unterschiedliche Grenzgänger unserer Gesellschaft im zwanghaften Drang sich auszudrücken und mitzuteilen. Der eine getrieben von der Idee seinen selbst komponierten Liebeschor mit jungen Mädels aufzuführen, sucht im weiblichen Geschlecht den Jungbrunnen seiner kreativen Ausbrüche, der andere versinkt in der meditierenden Rezitation der nordischen Götterwelt in einen Zustand vulkanischer Kontrapunktik. Die Sehnsucht, das nicht zu erreichend ewig Weibliche, führt diese Vorbilder aller Hippies in ein musikalisch-literarisches Wechselspiel der Gefühle.


Mit der Musik von Louis Hardin (alias Moondog) und Fan Man von William Kotzwinkle öffnen sich am 22. Februar 2007 nach einem über 10 jährigen Dornröschenschlaf erstmals wieder die Pforten des legendären Apollo-Kinos. Für viele Kinofans das Kleinod der ehemaligen Nürnberger Kinolandschaft schlechthin und nunmehr ein Relikt vergangener Zeiten. Die Pocket Opera Company erweckt diesen im schönsten Gewande sich präsentierenden Musentempel mit ihrer neuesten Inszenierung:


Zwischen Sehnsucht und Mitternacht
Musiktheater im Apollo



Moondog

Moondog"Ich dachte, wenn ich vorankommen will, muss ich dorthin. New York war damals die Stadt, in der alles passierte."

Knapp drei Jahrzehnte von 1943 bis 1971 verbrachte Louis Thomas Hardin, geb. 1916, alias Moondog, fast täglich an Strassenecken wie der Sixth Avenue/54th Street in New York, schlug seine Trommel, sang seine Lieder, verkaufte seine Gedichte. Der Big Apple lieferte den Humus, auf dem die Moondog-Legende schnell wuchs. Der blinde Strassenmusiker avancierte zur New Yorker "Sehenswürdigkeit". Keine Sightseeing Tour durch Manhatten, die nicht an seinen Wirkungsstätten vorbeiführten. Aus gutem Grunde, denn Louis Hardin hatte sich ein spektakuläres Outfit zugelegt. Mönchskutte, Wikingerhelm und Speer wurden Ausdruck seiner Begeisterung für die nordische Mythenwelt Europas. Diverse Plattenfirmen holten Moondog ins Studio. Erst Ende der sechziger Jahre erlebte jedoch er seinen Durchbruch. Die Hippies der Woodstock-Generation glaubten in Moondog einen der ihren erkannt zu haben. Janis Joplin sang eine Version seines Madrigals "All is Loneliness" . Dann plötzlich, 1974 war Moondog aus Manhattens Strassen verschwunden. Manche hielten ihn für tot. Doch der, nachdem er sich schon immer als "Europäer im Exil" gefühlt hatte, weilte inzwischen aufgrund einer Einladung durch den Hessischen Rundfunk in Deutschland. Er lernte auf der Strasse eine Studentin kennen, die nunmehr seinen Lebenswandel völlig veränderte und ihm ein bürgerliches Leben schmackhaft machte. Sein Wikingerkostüm hatte er abgelegt und gegen Wollmütze und Rollkragenpulli eingetauscht.

Moondog ApolloUnermüdlich komponierte er Werke für jede denkbare Besetzung, die von seiner neuen Bekanntschaft in Reinschrift gebracht wurde. Mit seiner Musik war er ein Grenzgänger zwischen den Welten der E- und U-Musik. Der österreichische Künstler Ernst Fuchs, ein enger Freund des Komponisten sagte einmal über Moondog:
"Seine Musik ist das Genialste, was es in der zeitgenössischen Musik überhaupt gibt. Sie ist von einer Präzision, da würde heute selbst Bach applaudieren."

Louis Hardin starb am 8.9.1999.


Fan Man

Fan Man"Ich bin ganz allein in meinem Apartment, meinem bis zur Decke vollgestopften Apartment. Berge von Notenblättern und haufenweise vor Abfall platzende Mülltüten und stapelweise verkrustete Bratpfannen auf dem Boden, voll mit unbeschreiblichen Flecken von der Fäulnis übergegangenem ekelhaften Fett. Mein Apartment, Mann, mein eigenes kleines Lower East Side Horse-Badorties-Apartment."

Fan Man, eine Idee fixe des 20. Jahrhunderts, kreiert durch den amerikanischen Buchautor William Kotzwinkle, geb. 1947; ein schnell lieb gewonnener Hippie der 70er Jahre, mit dem man in das New Yorker Lebensgefühl eintaucht und eh man sich versieht mit in sein Chaos versinkt.

"Was mich zusammenhält, Mann, das ist meine Mission, Mann, für Mädels und Musik. Ohne das bin ich ne leer Pina-Colada-Flasche."

"Und das letzte was ich tu, Mann, bevor ich einschlaf, ich stell meinen batteriebetriebenen tragbaren japanischen Fan an. Der Summton, den er macht, das süße beständige Brummen wiegt mich in den Schlaf und dann träum ich Symphonien und wach mit einem steifen Nacken auf."

Deutsch
English